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Fragen

Wie wird ein Herzinfarkt diagnostiziert? Untersuchungen und Tests verstehen

Wie Ärztinnen und Ärzte einen Herzinfarkt feststellen: EKG, Troponin-Bluttest, Herzultraschall und Herzkatheter – Schritt für Schritt verständlich erklärt.

Verfasst von Noctua Care8 Min. Lesezeit

A doctor in a white coat holds a red foam heart against their stethoscope.

Die Diagnose eines Herzinfarkts ist ein Notfall, der Tempo, Präzision und die sorgfältige Bewertung mehrerer Untersuchungen erfordert. Weil der Herzmuskel schon innerhalb von Minuten Schaden nimmt, müssen Ärztinnen und Ärzte schnell klären, ob ein Herzinfarkt vorliegt – und die Behandlung ohne Verzögerung beginnen.

Eine Herzinfarktdiagnose beruht nie auf Beschwerden allein. Druck in der Brust, Atemnot oder ausstrahlende Schmerzen können den Verdacht wecken. Die Bestätigung erfordert aber eine Kombination aus ärztlicher Untersuchung, EKG, Blutwerten und manchmal bildgebenden Verfahren. Jeder Baustein liefert ein anderes Puzzleteil.

Warum die schnelle Diagnose so wichtig ist

Jede Minute zählt. Je schneller ein Herzinfarkt erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Chancen auf Überleben und eine gute Erholung. Eine frühe Behandlung begrenzt den Schaden am Herzmuskel, verringert Komplikationen und verbessert die Langzeitprognose erheblich.

Dafür gibt es zwei Hauptgründe. Erstens senkt die sofortige Behandlung das Risiko für Komplikationen wie Herzschwäche, gefährliche Rhythmusstörungen oder bleibende Schäden. Zweitens verbessert eine frühe Versorgung das Überleben. Internationale kardiologische Leitlinien betonen übereinstimmend, wie stark schnelle Erkennung und Behandlung die Aussichten verbessern.

Wie die Diagnose in der Notaufnahme abläuft

Wenn Sie mit verdächtigen Beschwerden in die Notaufnahme kommen, beginnt die Beurteilung sofort. Die Teams arbeiten nach festen Abläufen, um einen Herzinfarkt so schnell und sicher wie möglich zu bestätigen oder auszuschließen.

Die Schritte laufen dabei meist parallel statt nacheinander: Während eine Person die Vorgeschichte erhebt und Sie untersucht, schreiben andere ein EKG, nehmen Blut ab und überwachen die Kreislaufwerte. Dieses abgestimmte Vorgehen spart wertvolle Zeit.

Schritt 1: Beschwerden, Untersuchung und Vorgeschichte

Am Anfang steht das genaue Nachfragen. Wann haben die Beschwerden begonnen? Wie fühlen sie sich an? Kommen und gehen sie? Strahlen sie in Arme, Kiefer, Rücken oder Hals aus? Auch Begleitsymptome wie Übelkeit, Schwitzen, Schwindel oder Atemnot werden erfragt.

Die Vorgeschichte ist wichtig: Bekannte Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes, hohes Cholesterin, familiäre Vorbelastung oder frühere Herzereignisse erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarkts. Umgekehrt schließt das Fehlen von Risikofaktoren einen Herzinfarkt nicht aus. Er kann auch Menschen treffen, die sich zuvor für gesund hielten.

Bereits in dieser Phase beginnt auch die pflegerische Einschätzung – etwa zu akutem Schmerz, Kreislaufsituation, Angst und Sauerstoffversorgung. Diese Beobachtungen leiten die Sofortmaßnahmen, während die ärztliche Diagnostik noch läuft.

Das EKG: das wichtigste erste Werkzeug

Eine der ersten Untersuchungen ist das Elektrokardiogramm (EKG). Es zeichnet über Elektroden auf der Haut die elektrische Aktivität des Herzens auf. Es ist schmerzfrei, dauert nur wenige Minuten und liefert oft entscheidende Hinweise.

Was das EKG zeigen kann

Je nachdem, welcher Herzbereich betroffen ist und wie stark das Gefäß verschlossen ist, entstehen typische Veränderungen im EKG. In manchen Fällen ist eine akute Durchblutungsstörung eindeutig zu erkennen – dann kann sofort der Weg in den Herzkatheter eingeschlagen werden.

Wichtig ist aber: Nicht jeder Herzinfarkt ist im ersten EKG sichtbar. Früh im Verlauf können die Veränderungen sehr geringfügig sein oder ganz fehlen. Ein unauffälliges EKG schließt einen Herzinfarkt daher nicht sicher aus – vor allem dann nicht, wenn die Beschwerden anhalten. Deshalb wird das EKG häufig wiederholt, um Veränderungen im Verlauf zu erfassen.

Blutwerte: die Rolle des Troponins

Blutuntersuchungen sind entscheidend, um eine Schädigung des Herzmuskels zu bestätigen. Werden Herzmuskelzellen verletzt, geben sie bestimmte Eiweiße ins Blut ab.

Die wichtigsten Marker sind:

  • Kardiales Troponin – steigt an, wenn der Herzmuskel geschädigt wird. Es ist der aussagekräftigste und am weitesten verbreitete Wert.
  • Kreatinkinase MB (CK-MB) – ein weiteres Enzym, das bei einem Herzinfarkt ansteigen kann.

Der Troponin-Test einfach erklärt

Der Troponin-Test misst die Konzentration des Herz-Troponins im Blut. Ein erhöhter Wert spricht stark für eine Schädigung des Herzmuskels. Weil der Wert am Anfang noch normal sein kann, wird die Blutentnahme in der Regel nach einigen Stunden wiederholt – entscheidend ist der Verlauf, also ob der Wert steigt oder fällt.

Wie zuverlässig ist der Bluttest?

Moderne, hochsensitive Troponin-Tests sind sehr genau. Zusammen mit Beschwerden und EKG-Befund gelesen, sind sie ein Kernstück der Diagnostik.

Ein erhöhter Troponinwert bedeutet allerdings nicht automatisch einen Herzinfarkt. Auch andere Erkrankungen – etwa schwere Infektionen, eine Lungenembolie, eine Herzmuskelentzündung, eine Nierenschwäche oder eine Herzinsuffizienz – können ihn erhöhen. Genau deshalb wird ein Laborwert nie isoliert bewertet.

Wenn Untersuchungen wiederholt werden: den Herzinfarkt ausschließen

Bei vielen Patientinnen und Patienten geben das erste EKG und die erste Blutentnahme noch kein klares Bild. Dann folgen die Teams einem strukturierten Ablauf, um einen Herzinfarkt sicher auszuschließen.

Dazu gehören wiederholte Troponin-Messungen, mehrere EKGs im Abstand und eine kontinuierliche Überwachung über mehrere Stunden. Bleiben die Troponinwerte normal und zeigt das EKG keine Veränderungen, kann ein Herzinfarkt meist sicher ausgeschlossen werden.

Dieses sorgfältige Beobachten verhindert beides: übersehene Herzinfarkte und unnötige Behandlungen. Es kann sich für Sie lang anfühlen – es ist aber ein Zeichen für sorgfältiges Vorgehen, nicht für Untätigkeit.

Bildgebende Untersuchungen

In manchen Situationen kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz, um besser zu verstehen, was im Herzen vorgeht.

Echokardiografie (Herzultraschall)

Die Echokardiografie ist eine schmerzfreie Ultraschalluntersuchung, die das Herz in Echtzeit sichtbar macht. Sie hilft, folgende Fragen zu beantworten:

  • Wie gut arbeitet das Herz insgesamt?
  • Wie groß ist der Schaden am Herzmuskel?
  • Gibt es Komplikationen wie eine Herzschwäche oder Probleme an den Herzklappen?

Bereiche, die sich nicht normal zusammenziehen, können auf eine Schädigung durch den Herzinfarkt hinweisen.

Je nach Situation kommen weitere Verfahren infrage, insbesondere wenn die Diagnose unklar bleibt – etwa eine Kardio-MRT oder eine CT der Herzkranzgefäße.

Koronarangiografie: verschlossene Gefäße sichtbar machen

Besteht ein starker Verdacht oder ist der Herzinfarkt bestätigt, folgt häufig eine Koronarangiografie (Herzkatheteruntersuchung). Dabei wird über einen dünnen Katheter – meist über das Handgelenk oder die Leiste – ein Kontrastmittel in die Herzkranzgefäße gegeben und der Blutfluss mit Röntgen sichtbar gemacht.

Die Untersuchung ermöglicht es,

  • die genaue Stelle des Verschlusses zu bestimmen,
  • die Schwere der koronaren Herzkrankheit einzuschätzen,
  • und die Durchblutung sofort wiederherzustellen, häufig durch das Einsetzen eines Stents im selben Eingriff.

Sie ist damit zugleich Diagnostik und Behandlung.

Kann ein Herzinfarkt auch im Nachhinein festgestellt werden?

Ja. Manche Menschen erfahren erst Tage oder Wochen später, dass sie einen Herzinfarkt hatten – besonders dann, wenn die Beschwerden mild oder untypisch waren. In solchen Fällen können EKG-Veränderungen, Bildgebung oder Blutwerte Hinweise auf eine zurückliegende Schädigung des Herzmuskels geben.

Das zeigt, wie wichtig es ist, sich auch dann ärztlich untersuchen zu lassen, wenn Beschwerden von selbst wieder verschwunden sind.

Was passiert nach der gesicherten Diagnose?

Sobald ein Herzinfarkt festgestellt ist, richtet sich die Behandlung darauf, die Durchblutung wiederherzustellen, den Herzmuskel zu schützen und weitere Schäden zu verhindern. Dazu gehören Medikamente, Eingriffe zur Wiedereröffnung der Gefäße und eine engmaschige Überwachung im Krankenhaus.

Nach der Akutphase rücken Genesung, Sekundärprävention und langfristige Nachsorge in den Vordergrund.

Wie Noctua Care unterstützen kann

Eine Herzinfarktdiagnose kann überfordernd sein. Zu verstehen, welche Untersuchungen durchgeführt wurden und warum, nimmt oft einen Teil der Anspannung.

Die Noctua-Care-App bietet verständliche Erklärungen zu Herzerkrankungen, diagnostischen Verfahren und Genesungsschritten. Sie soll helfen, die eigene Diagnose besser einzuordnen und langfristig herzgesunde Gewohnheiten aufzubauen – begleitend zur ärztlichen Nachsorge.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose- und Behandlungsentscheidungen müssen immer von qualifizierten Fachkräften getroffen werden.

Quellen

1. 2025 ACC/AHA/ACEP/NAEMSP/SCAI Guideline for the Management of Patients With Acute Coronary Syndromes. Journal of the American College of Cardiology, 85(22), 2135–2237. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2024.11.009

2. Sweis, R. N., & Jivan, A. (2022). Akute Koronarsyndrome (Herzinfarkt; Myokardinfarkt; instabile Angina pectoris). MSD Manual.

Verfasst von

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Noctua Care

Fachlich geprüft von

Kardiologinnen, Kardiologen und das Noctua Care Betreuungsteam

Diese Beiträge dienen der Information und ersetzen nicht das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Bei Brustschmerzen wählen Sie bitte sofort die 112.